Die Landwirtschaft kommt im Grunde genommen heute gar nicht mehr ohne die so genannte grüne Biotechnologie aus. Eigentlich kennt man diese schon seit Jahrhunderten, denn so alt wie die Landwirtschaft selbst, ist auch die Hoffnung auf immer neuere und bessere Pflanzen. Früher versuchte man, diese zu züchten, indem man Pflanzen mit besonders guten äußerlich erkennbaren Merkmalen mit anderen Pflanzen kreuzte. Durch die Kreuzung und Rückkreuzung veränderten sich die Gene der Pflanzen, was freilich lange Zeit nicht bekannt war. Um eine neue Pflanzensorte zu züchten, die etwa besonders positive, äußerliche Eigenschaften oder eine starke Resistenz gegenüber Schädlingen aufwies, musste mit mehreren Jahrzehnten der Zucht gerechnet werden.
Um die Pflanzen in der Praxis auszutesten, mussten im Testanbau unzählige Nachkommen der so gekreuzten und rückgekreuzten Pflanzen angebaut werden. Das war sehr zeitaufwändig und auch die Kosten schlugen enorm zu Buche. Darüber hinaus gab es keine tatsächlichen Analysen, die die eine oder andere Pflanze als besonders wertvoll erkennen ließ. Vielmehr musste man sich alleine auf seine Erfahrungen und Kenntnisse verlassen.
Dies änderte sich im 19. Jahrhundert, als Gregor Mendel die Vererbungslehre entdeckte und beschrieb. Er legte damit die Grundlage für die gesamte heute angewandte Genetik und diese führte letztlich auch zur grünen Biotechnologie.
Genetik begründet grüne Biotechnologie
Dank der Genetik und der daraus resultierenden Genomforschung wurden immer mehr Gene der Pflanzen bekannt. Auch das Wissen darüber, welche Gene für welche Informationen verantwortlich waren, konnte mit der Genomforschung wachsen.
Fortan war es möglich, die Pflanzensorten miteinander zu kreuzen, die aufgrund ihrer Gene eine besonders hohe Resistenz gegenüber Umwelteinflüssen und Co. aufwiesen. Die aufwändige Nachzucht sehr hoher Zahlen dieser Pflanzen war ebenfalls nicht mehr zwingend notwendig. Genauso konnte darauf verzichtet werden, Pflanzen auf gut Glück miteinander zu kreuzen. Das wiederum führte dazu, dass noch bessere Pflanzen binnen vergleichsweise kurzer Zeiten entwickelt werden konnten.
Besonders interessant im Rahmen der grünen Biotechnologie, die im Übrigen auch als Agrobiotechnologie bezeichnet wird, sind die Erkenntnisse der Modellpflanze Ackerschmalwand. Denn mit dieser Pflanze gelang im Jahr 2000 die Erbgut-Sequenzierung. Nur zwei Jahre später konnte auch die Entschlüsselung des Reisgenoms gefeiert werden.
Ablauf der grünen Biotechnologie
Im Rahmen der grünen Biotechnologie geht es zunächst um die genetischen Kenntnisse der Pflanzen. Denn dadurch wird es möglich, bestimmte Pflanzen frühzeitig von der Zucht auszusortieren, wenn diese ein gewünschtes Merkmal in ihrem Genpool nicht aufweisen. Hierbei wird oft auch von der Marker gestützten Selektion, kurz MAS, gesprochen. Diese ist dafür verantwortlich, dass bestimmte Zuchtziele schneller und effektiver erreicht werden können. Außerdem können aufgrund der genetischen Erkenntnisse tiefgreifende Analysen durchgeführt werden. Diese sorgen dafür, dass man erfährt, ob es Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Eigenschaften der gezüchteten Pflanzen gibt.
Durch die grüne Biotechnologie sind so genannte Elite-Zuchtpflanzen entstanden, die genau auf die spezifischen Anbaubedingungen, sowie die klimatischen Bedingungen eines Standortes abgestimmt sind. Die ersten Pflanzen, die gentechnisch verändert wurden, sind Maispflanzen. Ihnen wurde ein Gen des Bacillus thuringiensis, eines Bodenbakteriums, eingesetzt. Der so genannte Bt-Mais soll besonders resistent gegenüber dem Maiszünsler sein. Mittlerweile werden in Deutschland schon mehr als 2.500 Hektar mit dieser speziellen Maissorte bewirtschaftet.